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Im Angesicht der Holzbau-Zukunft

6. Regionaler Holzbautag des DHV 

Den Holzbau von morgen zum Greifen nah vor Augen hatten rund 100 Gäste beim 6. Regionalen Holzbautag, zu dem der Deutsche Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV) und die müllerblaustein HolzBauWerke eingeladen hatten. Was es in Blaustein (Großraum Ulm in Baden-Württemberg) für Zimmerer, Planer/Architekten und andere Praktiker zu sehen gab, war von A bis Z nicht weniger als ein Stück vorweggenommene Bau-Zukunft.

Gleich zu Beginn der Tagung ermunterte DHV-Präsident Erwin Taglieber die Teilnehmer, Bauinteressenten umfassend über die klimaschützenden Effekte der Holzbauweise zu informieren und in diesem Sinne auch auf die politischen Entscheidungsträger in Kommune, Stadt und Land einzuwirken. „Holz ist der einzige natürliche Bauwerkstoff, der Kohlendioxid in nennenswertem Umfang speichert und das Globalklima nachhaltig entlastet. In Zeiten des Klimawandels wird dies von der breiten Bevölkerung immer stärker wahrgenommen, weshalb die Nachfrage nach Gebäuden aus Holz in allen Bundesländern steigt. Dessen wird sich in zunehmendem Maße auch die Politik bewusst; dies zeigt sich unter anderem an der Forderung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die öffentliche Hand müsse mit gutem Beispiel vorangehen und verstärkt mit Holz bauen. Unsere Aufgabe als Verband besteht darin, den Holzbau auch durch gezielte Lobbyarbeit weiter nach vorn zu bringen und uns mehr denn je für klimaschützendes Bauen mit Holz zu engagieren. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung – idealerweise als Mitglied im DHV“, warb Erwin Taglieber für eine möglichst breite Mitgliederbasis. Derzeit gehören dem DHV bundesweit 230 Holzbaubetriebe an; darunter auch Mitgliedsunternehmen des Netzwerks 81fünf sowie der Vereinigung ZimmerMeisterHaus.

Wie wichtig gerade für mittelständische Betriebe die Rückendeckung eines starken Verbandes ist, unterstrich DHV-Vizepräsident Ulf Cordes. „Der Holzbau wird mehr denn je wahr- und ernstgenommen; das gefällt nicht jedem, der am Bau sein Geld verdient. Gegen Halbwahrheiten und sinnwidrige Unterstellungen, mit denen eine bestimmte Interessengruppe derzeit massiv zu Felde zieht, hilft eine echte Solidargemeinschaft immer noch am besten“, wies der norddeutsche Holzbauunternehmer aus Rotenburg an der Wümme auf die Interessenvertreter-Funktion des DHV und zahlreiche weitere Vorteile hin, die eine Verbandsmitgliedschaft mit sich bringt.

Politik pro Holz
Zur großen Freude des Veranstalters war Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, MdL vom Stuttgarter Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz der Einladung des DHV nach Blaustein gefolgt, um beim Regionalen Holzbautag die Klimaschutz-Maßnahmen der Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann näher vorzustellen und bei müllerblaustein als einem für innovative Ingenieurholzbauten vielfach ausgezeichneten Unternehmen neue Facetten des Holzbaus kennenzulernen. 

„Das Land Baden-Württemberg setzt konsequent auf den Naturwerkstoff Holz, um bei der Planung und Errichtung öffentlicher Gebäude für alle anderen Länder Vorbild zu sein und der Verwendung klimaneutraler Materialien am Bau zum Durchbruch zu verhelfen“, brach Staatssekretärin Gurr-Hirsch eine Lanze für den Holzbau. In diesem Zusammenhang betonte sie die Notwendigkeit, die Holzbauforschung erheblich zu forcieren und durch faktenbasierte Wissensvermittlung junge Menschen für Berufe im Holzbau zu begeistern. 

13 Innovationspakete für das Bauen mit Holz
Weitere Wege zur systematischen Steigerung der Holzbauquote erläuterte Jan Bulmer, der im Ministerium für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg als Koordinator für die "Holzbau-Offensive" des Landes zuständig ist. „Wir haben 13 Innovationspakete geschnürt, um das klimaschützende Bauen mit Holz zu beflügeln. Darüber informiert im Detail unsere neue Broschüre ‚Holzbau-Offensive Baden-Württemberg. Nachhaltiges Bauen für die Zukunft.‘“, führte er aus.

Computer berechnen, Roboter setzen um 
Wenn ein Roboter einen organischen Pavillon zimmert, dessen Einzelelemente alle völlig unterschiedlich bemaßt sind, kommt selbst der erfahrenste Holzbaufachmann ins Staunen: Was Reinhold Müller, Geschäftsführer der müllerblaustein HolzBauWerke, über den Einsatz von Robotern im Holzbau zu sagen und zu zeigen wusste, war mehr als beeindruckend: Für den gelernten Zimmermeister findet gegenwärtig ein Paradigmenwechsel statt, den sich der Holzbaus durch robotische Bauteilvorbereitung zunutze machen kann: „Während es im 20. Jahrhundert um die Multiplikation gleicher Bauteile ging, gilt das Streben im 21. Jahrhundert der Differenzierung von Bauteilen im Fertigungsprozess. Dabei erweisen sich der Einsatz von Robotern und die Nutzung künstlicher Intelligenz (KI) als wegweisend.“ 

Vielfach ausgezeichnete Architektur
Von der Leistungsfähigkeit des schwäbischen Holzbauunternehmens konnten sich die Tagungsteilnehmer bei der Werksführung überzeugen. müllerblaustein-Vertriebsleiter Dominik Wowra wies dabei auf die Vorbildfunktion des baden-württembergischen Holzbaus für andere Regionen hin: „In München haben wir im Prinz-Eugen-Park einen Siebengeschosser sowie drei Fünfgeschosser als Generalunternehmer errichtet. Von der Planung über die Logistik bis hin zur Errichtung entstanden alle vier Bauwerke unter unserer Regie.“ Zu den Referenzgebäuden, für die müllerblaustein ausgezeichnet wurde, zählt u.a. auch das als Passivhaus errichtete FORUM HOLZBAU in Ostfildern, in dem der DHV zuhause ist.

Laubholz stark im Kommen
Neben Nadelholz verarbeitet müllerblaustein in zunehmendem Umfang auch Laubholz, insbesondere BauBuche. Mit dieser Holzbau-Facette setzte sich Arne Folger auseinander, techn. Vertriebsmitarbeiter der Pollmeier Massivholz GmbH mit Zentrale in Creuzburg/Thüringen. Er wies darauf hin, dass sich das Verhältnis von Nadel- und Laubholzvorkommen im deutschen Wald verschiebt: „Ein Drittel der Fläche Deutschlands ist bewaldet. Darauf wachsen heute 44 % Laub- und 56 % Nadelhölzer. Absehbar wird der Laubholzanteil auf 73 % steigen, während der Nadelholzanteil auf 27 % sinkt. Dieser Tatsache sollten Holzbauunternehmen Rechnung tragen und sich mit den Besonderheiten der Verarbeitung von Laubholz– insbesondere BauBuche – befassen“, empfahl er.

Über eine spektakuläre Umsetzung referierte Armin Bauer von SWG Engineering, einem Zulieferer für Holzschrauben und Tochterunternehmen des Verbindungsmittelherstellers Würth. „In BauBuche wurde die neue Produktionshalle der Schraubenwerke Geisbach in Waldenburg ausgeführt: Sie ist 96 m breit und 114 m lang. Die Decke aus BauBuche wurde über 80 m frei gespannt – mit nur einer Stütze in der Mitte, berichtete er.

Zum Abschluss dieser äußerst inspirierenden Veranstaltung, die von DHV-Pressereferent Peter Mackowiack ganztägig moderiert wurde, erhielten die Teilnehmer auch einen Hinweis auf den nächstjährigen 'Regionalen Holzbautag'. Dieser findet im September 2020 bei der Firma Holzbau Cordes in Rotenburg an der Wümme statt.
 

v.l.n.r.: R. Müller, Geschäftsführer müllerblaustein Holzwerke, F. Gurr-Hirsch, MdL, Staatssekretärin im Ministerium für den Ländlichen Raum, E. Taglieber, DHV-Präsident